Psalm und Lesungen des Tages
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 9,14-17.

In jener Zeit kamen die Jünger Johannes‘ des Täufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten?
Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten.
Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab und es entsteht ein noch größerer Riss.
Auch füllt man nicht jungen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Jungen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten.
Lektionar. Rechte: staeko.net

Hl. Petrus Chrysologus (um 406-450)

Bischof von Ravenna, Kirchenlehrer
Predigt 31 (ins. Dt. übers. © evangelizo)

Das Fasten der Freunde des Bräutigams

„Warum fasten wir und die Pharisäer so häufig, während deine Jünger nicht fasten?“ (vgl. Mt 9,14). […] Warum? Weil das Fasten für euch eine Frage des Gesetzes ist und keine freiwillige Gabe. Fasten um des Fastens willen hat keinerlei Wert; was zählt, ist die Motivation des Fastenden. Was für einen Gewinn glaubt ihr denn zu erlangen, wenn ihr unter Druck und Zwang fastet? Das Fasten gleicht einem wunderbaren Pflug, um den Acker der Heiligkeit zu bearbeiten: Es wendet die Herzen um, entwurzelt das Böse, entfernt die Sünde, vertreibt die Laster und sät Nächstenliebe aus; es fördert die Fruchtbarkeit und bereitet die Ernte der Unschuld vor. Die Jünger Christi aber stehen mitten im erntereifen Acker der Heiligkeit; sie sammeln die Garben der Tugend ein und genießen das Brot der neuen Ernte. Daher können sie unmöglich nach veralteter Art fasten. […] „Warum fasten deine Jünger nicht?“ Darauf antwortet der Herr ihnen: „Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ […] Wer heiratet, lässt das Fasten und die Enthaltsamkeit beiseite; er gibt sich ganz der Freude hin, nimmt an Festmählern teil; er zeigt sich in allem freundlich, liebenswürdig und fröhlich; er tut alles, was die Liebe zu seiner Braut ihm eingibt. Christus feierte damals seine Hochzeit mit der Kirche. Deshalb nahm er freimütig an Festmählern teil und verweigerte sich niemandem, der ihn einlud. Voller Wohlwollen und Güte zeigte er sich: menschlich, zugänglich und liebenswürdig. Denn er wollte den Menschen mit Gott vereinen und seine Gefährten zu Mitgliedern der himmlischen Familie machen.

Texte per E-Mail erhalten